Leben & Werk Skulptur Josef Felix Müller

 Josef Felix Müller
* 1955
lebt und arbeitet in St. Gallen

 

Josef Felix Müller absolviert von 1971-75 eine Lehre als Stickereientwerfer bei Jacob Rohner in Rebstein und an der Schule für Gestaltung in St. Gallen. Während seiner Ausbildung beginnt Müller zu malen. Bereits seit den frühen 1980er Jahren ist er als freischaffender Künstler auf dem nationalen Parkett präsent. 1981 macht der Künstler in Freiburg im Ue. mit drei Gemälden, die „unzüchtige“ Handlungen verbreiten, national und schliesslich international Furore. 1985 gründet Josef Felix Müller seinen bis heute bestehenden Vexer Verlag. Als Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen leitet er diese von 1993-1995. Im St. Galler Kulturraum engagiert sich der Künstler für mehr Freiraum und finanzielle Unterstützung jungen Kulturschaffens. Als Mitglied der Ankaufskommission der Stiftung Kunst Heute wirkte Müller von 1995 bis 1999.

 

Thema von Josef Felix Müllers frühem Werk in den Medien Malerei, Grafik und Skulptur ist die menschliche Figur. Im Zeitgeist eines aktuellen Neo-Expressionismus, wie dies in der Schweiz der 1980er Jahre unter anderem auch von Martin Disler oder Miriam Cahn vertreten wird, ist die Darstellung der Figur von einer unmittelbaren Gestaltungsweise geprägt. Existentielle Erfahrungen des Menschen, eine Hinwendung zum Subjektiven und Körperlichen als schöpferische wie auch zerstörerische Sexualität sind Müllers Themenbereiche. Geburt und Tod, das Dunkle der menschlichen Natur beschäftigen den jungen Künstler. Seine Gestaltungen aus dieser Schaffensphase sind geprägt von einer Suche nach dem eigenen, tiefsten Ich, somit auch nach dem eigenen Mann-Sein. In dunkeltonigen, expressiven Bildern und vor allem skulpturalen Gestaltungen finden seine Themen ihren spezifischen Ausdruck in einer Formensprache, die seinen Stil in den weiteren zwei Jahrzehnten kennzeichnet. Das Bearbeiten von Holz wird vom Künstler in einer eigenen Technik zumeist ohne vorangehenden Entwurf entwickelt. Mit der Motorsäge und Axt wagt er sich an eine Form von „taille directe“, mittels derer er aus dem Holzstamm – oft das weiche Holz der Pappel, Linde oder Weide –  Figuren oder Figurengruppen entstehen lässt. Dabei ist es weniger die geschliffene, wohlgestaltete Form, als der Ausdruck einer inneren Spannung oder einer unbewussten Kraft, die in der Formfindung und der Rohheit von Oberflächen ihren Ausdruck erlangt. Oft wird das in einem brachialen und unmittelbaren Arbeitsprozess geschaffene Werk mit kräftigen Farben bemalt. Dabei geht es dem Künstler in keiner Weise um eine Zelebrierung der eigenen männlichen Kraft, als vielmehr um ein Bewusstwerden der Ab- und Hintergründe der männlichen Existenz, von der auch er sich geprägt fühlt.

Ab Mitte 1990er Jahre finden sich Themen, die das Gemeinschaftliche und die Geborgenheit betonen und stets auch das Potential des Utopischen, das der Künstler in der Kunst sieht, thematisiert: Statt der Darstellung destruktiver Kräfte früherer Arbeiten im Bann einer machtvollen, männlichen Sexualität nun die Hoffung auf eine erleuchtende und verändernde Kraft der Kunst, im Wissen, wie wenig sie letztendlich in der Gesellschaft bewirken kann. In diesem Sinne ändert sich ebenso die Gestaltungsweise. Die Gemälde werden zusehends malerischer, ruhiger und persönlicher, die Skulpturen intimer, geschlossener. Die menschliche Figur wird zum Symbol mit allgemeingültigem Anspruch, in der Hoffnung auf eine sich ändernde Gesellschaft.

Um die Jahrtausendwende vollzieht sich ein Wechsel in Müllers künstlerischem Schaffen. Er beschäftigt sich nunmehr weniger mit der Natur des Menschlichen als vielmehr mit der Natur an und für sich, die er malerisch rekonstruiert. Ausgehend von Fotografien überträgt er über mehrere Wochen hinweg Alpen- und Gletscherbilder in grossformatige Ölgemälde, schliesslich Wald- und Quellenbilder, Lichträume, Spiegelungen, Feuerdarstellungen und Abendimpressionen. Die Übertragung vom fotografischen Vorbild, das er in ein Raster aufteilt, in die Malerei, bringt nicht nur das Motiv zum Vorschein. Durch mehrfaches, vielteiliges Übermalen der visuellen Erscheinungen ergibt sich eine neue Parallelwelt, die, neben der Lesbarkeit aus Distanz, als eigene Erscheinungen wahrzunehmen sind.

 

www.jfmueller.ch

 

 

Esther Maria Jungo

Werke sortiert nach TitelJahr ↓

Bild Informationen Beschreibung

Josef Felix Müller

Frau und Mädchen

1986

Pappelholz, bemalt

Masse 52,5 x 67,5 x 284,5 cm

Skulptur

Josef Felix Müllers aus Pappelholz roh herausgeschlagenen und -geschnittenen weibliche Figuren - ein Figurenkomplex bestehend aus Mutter und Kind - sind, im Gegensatz zu zeitgleichen, oft provokativen Darstellungen männlich-triebhafter Sexualität, von intensiver Verbundenheit geprägt. Wie in früheren und zeitgleichen Skulpturen findet sich hier ein... [ Weiter ]

Josef Felix Müller

Ohne Titel

1983

Kanadische Pappel, bemalt

Masse 181 x 54 x 88 cm

Skulptur

Ohne Titel ist eine der frühesten Arbeiten, die Josef Felix Müller nach seiner Hinwendung zur Holzskulptur Anfangs der 1980er Jahre schuf. Wie schon in seiner vorangehenden Malerei, steht auch in seinen Skulpturen die menschliche Figur im Zentrum. Die Hinwendung zum Körper gründet auf der Loslösung von der „intellektuellen\" Kunst... [ Weiter ]